Wie kann die medizinische Versorgung in Ostsachsen langfristig gesichert werden? Welche Rolle spielen dabei neue Ausbildungswege, kommunale Initiativen und regionale Netzwerke? Mit diesen Fragen beschäftigte sich das 18. Netzwerktreffen „Ärzte für Sachsen“ am 9. September 2026 in Görlitz. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Kommunen, Gesundheitswesen und ärztlicher Selbstverwaltung nutzten die Veranstaltung, um aktuelle Entwicklungen zu diskutieren und erfolgreiche Praxisbeispiele kennenzulernen.
Von der Universitätsmedizin bis zum kommunalen MVZ: Impulse für die Gesundheitsversorgung in Ostsachsen
Begrüßt wurden die Gäste durch den Oberbürgermeister der Stadt Görlitz, Octavian Ursu, Landrat Dr. Stephan Meyer und die Sächsische Staatsministerin für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, Petra Köpping. In ihrer Videobotschaft bezeichnete sie das Netzwerktreffen als „Ort mutiger Ideen“ und als wichtige Möglichkeit zum Austausch zwischen „Menschen, die einfach nur machen“.
Durch das Programm führte Dr. med. Jana Gärtner, Vizepräsidentin der Sächsischen Landesärztekammer, die über aktuelle Aktivitäten von „Ärzte für Sachsen“ berichtete. Im Mittelpunkt standen dabei die vielen Veranstaltungen und Informationsangebote des Netzwerks, um junge Mediziner für die ärztliche Versorgung im Freistaat zu begeistern. Dazu gehören Karrieretage und Summer Schools in Sachsen sowie eine neue interaktive Sachsenkarte auf der Netzwerkseite, die alle regionalen Unterstützungsangebote zeigt.
Einen Schwerpunkt des Treffens bildete die Vorstellung der neuen Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem in Cottbus. Sebastian Scholl, der Beauftragte der Modellregion Gesundheit Lausitz, und Prof. Dr. med. Jeannine Schübel, die dort gerade den Fachbereich Allgemeinmedizin aufbaut, erläuterten, wie die Verbindung von Forschung, Lehre und Versorgung dazu beitragen soll, Medizinstudierende frühzeitig an die Lausitz zu binden. Die neue Universitätsmedizin eröffnet zugleich Chancen für eine noch engere Zusammenarbeit zwischen Brandenburg und Ostsachsen. Oder wie Prof. Schübel es ausdrückt: „Vom Studium zur Weiterbildung und weiter gemeinsam denken“.
Wie kommunales Engagement Versorgungslücken schließen kann, zeigte das Beispiel des Medizinischen Versorgungszentrums Neiße-Weißer Schöps. Die Bürgermeister Tristan Mühl (Krauschwitz) und Ralf Brehmer (Rietschen) berichteten gemeinsam über die Entstehung des ersten kommunalen MVZ in Sachsen. Das Projekt verdeutlicht, wie Gemeinden gemeinsam Verantwortung übernehmen und welche Hürden es zu nehmen gilt. Ihre Botschaft: „Wer Kommunen Verantwortung zutraut, muss ihnen auch die rechtlichen und finanziellen Instrumente geben.“
Ein weiterer Fokus lag auf der ärztlichen Weiterbildung und Vernetzung. Ute Taube vom Weiterbildungsverbund Ostsachsen und Volker Höynck vom Ärzte-Netz-Ostsachsen eG stellten ihre Arbeit vor und zeigten, wie strukturierte Weiterbildungsangebote und regionale Kooperationen dazu beitragen, junge Ärztinnen und Ärzte für Ostsachsen zu gewinnen und in der Region zu halten.
Zum Abschluss des Fachprogramms präsentierten Johanna Olescu und Anja Kaiser von der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen aktuelle Versorgungsprojekte sowie Entwicklungen in der Bedarfsplanung. Dabei wurde deutlich, dass neue Planungsansätze und innovative Versorgungsmodelle, wie etwa die Versorgerpraxis Niedercunnersdorf oder die Kooperationspraxis Dermatologie in Ebersbach-Neugersdorf, zunehmend an Bedeutung gewinnen, um auf regionale Herausforderungen reagieren zu können.
Die abschließende Podiumsdiskussion warf unter anderem die Frage nach den Zuständigkeiten auf. Den Hinweis von Herrn Scholl, dass der Sicherstellungsauftrag für die ärztliche Versorgung originär bei der KV Sachsen liege, bestätigten die beiden Bürgermeister Mühl und Brehmer, machten aber auch klar, dass der fehlende Arzt zugleich eine Frage der Daseinsfürsorge ist, die eben eine zentrale kommunale Aufgabe sei. Und so machte das Netzwerktreffen einmal mehr deutlich, dass die Sicherung der medizinischen Versorgung nur durch das Zusammenwirken vieler Akteure gelingen kann. Die vorgestellten Projekte und Initiativen zeigten, dass in Ostsachsen bereits zahlreiche zukunftsweisende Ansätze verfolgt werden.
Seit der Gründung des Netzwerkes hat sich die Zahl der sächsischen Ärztinnen und Ärzte unter 40 Jahren fast verdoppelt. Gleichzeitig hat Sachsen im deutschlandweiten Vergleich mit einem Durchschnittsalter von 52,6 Jahren die jüngsten niedergelassenen Ärzte. Ergebnisse die sich sehen lassen können.