Telemedizin: Pilotprojekt in Sachsen versorgt Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen

Telemedizin und ein multiprofessionelles Therapeutenteam sollen in mehreren Regionen in Sachsen die psychiatrische Versorgung von Kindern und Jugendlichen verbessern: Im Rahmen eines Modellprojekts delegiert Psychiater Dr. med. Reinhard Martens in seiner Pirnaer Praxis fachärztliche Leistungen an Therapeuten via Videokonferenz.

Der Austausch mit den Patienten erfolgt über eine Videosprechstunde – wobei der Erstkontakt stets persönlich ist. Der 55-Jährige gründete hierfür drei Zweigstellen in Sachsen, darunter im etwa 120 Kilometer von seiner Zentrale entfernten Weißwasser im Landkreis Görlitz.

Die Region ist mit einem Versorgungsgrad von 41 Prozent im Facharztbereich der Kinder- und Jugendpsychiater deutlich unterversorgt. Das Gemeinsame Landesgremium unter Beteiligung des sächsischen Sozialministeriums hat daher Modellregionen ausgewählt und Arbeitsgruppen zur Verbesserung der medizinischen Versorgung eingesetzt.

Dr. Martens Projekt ist eines der ersten, das in dieser Form in der Modellregion Weißwasser startet. Die Einbindung der Telemedizin trage dazu bei, dass mehr Kinder und Jugendliche mit psychiatrischen Erkrankungen im Raum Weißwasser in hoher Qualität ambulant versorgt werden können.

Das Modellprojekt beinhaltet außerdem die Delegation fachärztlicher Leistungen an ein Therapeutenteam mit medizinischen oder sozialwissenschaftlichen Studienabschlüssen oder Zusatzqualifizierungen, mit denen Martens per Videokonferenz in Verbindung steht.

Die Behandlung obliege weiterhin dem Arzt, der über eine telemedizinische Plattform die Therapie parallel verfolge und sich sofort einschalten könne. In Krisensituationen steht der Arzt den Patienten mit seiner Expertise persönlich zur Verfügung

Die Zweigstelle in Bischofswerda ist inzwischen eine Anlaufstelle für mehr als 100 Mädchen und Jungen.