Ärzte für Sachsen: Mehr Studienplätze und bessere Rahmenbedingungen nötig

Nachdem diese Woche die vom sächsischen Gesundheitsministerium ins Gespräch gebrachte Landarztquote beim Medizinstudium keinen Konsens in der Koalition fand, macht die Sächsische Landesärztekammer ihre Position für eine gelingende Nachwuchssicherung klar: mehr Studienplätze, bessere Auswahl der Studenten (auch ohne NC), bessere Rahmenbedingungen und weniger Bürokratie.

In Sachsen gab es vor zehn Jahren noch 5.655 Ärzte mit eigener Praxis. Diese Zahl sank bis Ende 2018 um 450 auf 5.205 niedergelassene Ärzte. Erik Bodendieck, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer: „Unsere Zahlen zeigen, dass sich immer weniger Ärzte niederlassen, sondern lieber als angestellte Ärzte in einer Praxis arbeiten. Oft arbeiten junge Mediziner zudem in Teilzeit, um Beruf und Familie besser vereinbaren zu können. Besonders abschreckend wirken die bürokratische Belastung und die Eingriffe durch den Gesetzgeber. Und immer mehr Zeit verbringen wir mit Formularen statt mit den Patienten."

Bedenklich sei diese Entwicklung vor allem für die ländlichen Bereiche. Daher müssten die Partner in dem von der Sächsischen Landesärztekammer initiierten Netzwerk ‚Ärzte für Sachsen' weiterhin mit gezielten Maßnahmen Nachwuchs für den ambulanten Bereich gewinnen.

Bodendieck: „Weiterhin brauchen wir mehr Studienplätze und für die Hochschulen in Sachsen ein Auswahlverfahren neben dem Numerus Clausus, um mehr Ärzte zu bekommen. Hier sind das Wissenschaftsministerium und die Fakultäten in der Pflicht, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, Ärzte nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für die Versorgung auszubilden."

Die Stärkung der allgemeinmedizinischen Lehrstühle in Dresden und Leipzig ist ebenfalls wichtig, um mehr Medizinstudenten für eine hausärztliche Tätigkeit zu begeistern. Und sogenannte Weiterbildungsverbünde können ebenfalls dazu beitragen, dass junge Ärzte ihre Facharztweiterbildung außerhalb von Ballungszentren machen. Derzeit gibt es 11 Weiterbildungsverbünde in Sachsen. „Aber alles, was wir heute im Bereich Medizinstudium investieren, wird frühestens in 11 Jahren fruchten (6 Jahre Studium und 5 Jahre Facharztweiterbildung)", betont der Präsident. Daher seien kurzfristige Maßnahmen angezeigt.

Eine Unterstützung bei der Übernahme von Kassenarztsitzen, wie zum Beispiel die Übernahme des wirtschaftlichen Risikos, die Entlastung von Bürokratie, usw., wäre durch Krankenkassen und Kassenärztlicher Vereinigung ebenfalls sinnvoll und könnte vom Land und von den Gemeinden unterstützt werden.