Berufsmonitoring Medizinstudierende 2019: Niederlassung ja, aber nicht allein

Trotz Bürokratie und Regressgefahr: Drei Viertel aller Medizinstudierenden können sich eine Niederlassung vorstellen - auch deshalb, weil sie die Arbeitsbedingungen in Krankenhäusern immer weniger mögen. Jeder Zweite strebt dabei aber in eine Gemeinschaftspraxis.

Das geht aus dem „Berufsmonitoring Medizinstudierende" und dem Berufsmonitor Medizinstudium der Berufsvertretung der Medizinstudenten (bvmd) hervor, welche die Universität Trier, der bvmd und die Kassenärztliche Bundesvereinigung am Mittwoch in Berlin vorgestellt haben.

Die Befragungen von rund 13.000 Medizinstudenten zeigt Trends auf. Demnach ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nach wie vor der wichtigste Anspruch an das Berufsleben als Ärzte, den die jungen Frauen und Männer an den Universitäten derzeit haben (94,6 Prozent).

Geregelte oder zumindest flexible Arbeitszeiten in ihrem Sinne wünschen sich ebenfalls jeweils mehr als 80 Prozent der Studierenden. Gegenüber den Ergebnissen von 2014 ergeben sich hier kaum Unterschiede. Was ein Arbeitsleben als Inhaber in der eigenen Praxis angeht, sind die Ansprüche von 60,3 Prozent in 2014 auf 53,5 Prozent in 2018 deutlich zurückgegangen.

Mehr als die Hälfte der Befragten (50,6 Prozent) würden sowieso Gemeinschaftspraxen als Arbeitsorte bevorzugen. Gleich 90 Prozent könnten sich auch vorstellen, angestellt zu arbeiten. Mehr als zwei Drittel würde das auch in einer ambulanten Arztpraxis tun.

Teamarbeit scheint ohnehin ein Zukunftstrend zu sein. 68,2 Prozent der Befragten stehen einer Übertragung bislang ärztlicher Aufgaben auf qualifizierte Arztassistenten, Pflegekräfte und Medizinische Fachangestellte offen gegenüber. Nur 15,2 Prozent lehnen diesen Paradigmenwechsel ab.

Der ambulante Sektor insgesamt profitiert von einem eher schlechten Bild der Arbeitsbedingungen in den Kliniken. Knapp vier von fünf schreckt die hohe Arbeitsbelastung in den Krankenhäusern ab, hat eine eigene Erhebung der Vertretung der Medizinstudierenden ergeben. Auch eine als autoritär wahrgenommene Führungsstruktur, starre Hierarchien und ein starker ökonomischer Druck lässt die angehenden Mediziner vor einer Tätigkeit in der Klinik zurückschrecken.

Um die Allgemeinmedizin ist es wieder etwas besser bestellt. Waren 2010 noch weniger als 30 Prozent (29,3) von der Allgemeinmedizin als beruflicher Zukunft überzeugt, sind es inzwischen wieder 34,6 Prozent.

Das bedeutet jedoch nicht, dass damit auch der Landarzt als Berufsbild ein großes Comeback feiern kann. Für mehr als zwei Fünftel der Befragten ist die Aversion gegen ein Leben auf dem Land so ausgeprägt, dass sie dort nicht als Arzt arbeiten wollen. Ein Drittel würde nicht einmal in eine Stadt mit 10.000 Einwohnern gehen.