Modellregionen und Pilotprojekte: 10. Netzwerktreffen „Ärzte für Sachsen“

Am 12. September 2018 fand in Weißwasser das 10. Netzwerktreffen „Ärzte für Sachsen" statt. Schwerpunkt des diesjährigen Treffens war die Modellregion Weißwasser mit deren Entwicklungsbedarfen und Maßnahmen zur Sicherung der medizinischen Versorgung. Neben den Netzwerkpartnern nahmen auch Ärzte, Bürgermeister, Vertreter von Krankenhäusern, Kassen und der ärztlichen Selbstverwaltung teil.

In ihren Grußworten brachten Hartmut Schirrock, Stadtrat aus Weißwasser, und der ärztliche Direktor am Kreiskrankenhaus Weißwasser, Dr. med. Karsten Brußig, ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass mit der Modellregion mehr Chancen zur Nachwuchsgewinnung und neue Ideen in die medizinische Versorgung der Region gebracht werden. Herr Schirrock machte aber auch auf das bisherige „Alleingelassenwerden in den Randgebieten" aufmerksam und forderte konkrete Lösungen.

Der Präsident der Sächsischen Ärztekammer, Erik Bodendieck, eröffnete den Programmteil und stellte Ziele und aktuelle Projekte des Netzwerks „Ärzte für Sachsen" vor. Er regte noch einmal alle Partner zur aktiven Teilnahme am Netzwerk an.

Regina Kraushaar, Staatssekretärin am Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz, berichtete dann über den aktuellen Stand der Vorhaben zur Modellregion Weißwasser und über mögliche Maßnahmen zur Sicherung der medizinischen Versorgung. Über das Gemeinsame Landesgremium wurden verschiedene Arbeitsgruppen gebildet, die Projekte zur Unterstützung in ländlichen Regionen, für zusätzliche Weiterbildungsstellen, zu lokal gestalteten Mobilitätsangeboten, der Etablierung von sektorenübergreifenden Versorgungslösungen und der Unterstützung des Arztes durch digitale Angebote entwickeln.

Mit dem Telemedizinprojekt Vogtlandkreis wurde durch Prof. Dr. sc. hum. Anke Häber von der Westsächsischen Hochschule Zwickau und Lysann Kasprick, Geschäftsführerin GeriNet Leipzig, ein Pilotprojekt im Vogtlandkreis präsentiert. In Zusammenarbeit mit der Sächsischen Landesärztekammer wurden hier delegierbare Leistungen in Form eines Arzt-Patienten-TeleNurse Kontaktes geschaffen, welche zukünftig regionale Versorgungslücken im Kreis Vogtland schließen und der Entlastung der Ärzteschaft dienen sollen. Bei dem Projekt steht das Servicezentrum als Koordinationsstelle für den persönlichen Kontakt, die Telekonsultation und das Terminmanagement im Zentrum. Mit der Umsetzung soll bereits Anfang 2019 begonnen werden.

Im Anschluss startete Anja Roth von der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KV Sachsen) mit dem Thema KV-Eigenpraxen. Deutlich wurde, dass die momentane Umsetzung aus einem Modellprojekt des Netzwerks „Ärzte für Sachsen", der Satellitenpraxis, hervorgegangen war. Eingerichtet 2016 hat sich die hausärztliche KV-Eigenpraxis in Mügeln mittlerweile gut etabliert und steht vor der Übernahme durch den Arzt zum 1. Januar 2019.

Die Diskussionsrunde am Ende des ersten Vortragsteils brachte auch kritische Punkte zur Sprache. Der Oberbürgermeister von Riesa deutete Budgetierungsfragen als Ursache für die fehlende Bereitschaft zur hausärztlichen Tätigkeit an. Der Chefarzt der Inneren aus dem Kreiskrankenhaus Weißwasser, Dr. med. Steffen Busse, klagte über die schlechte Personalsituation vor allem aufgrund fehlender Bewerbungen deutscher Ärzte. Der Bürgermeister von Wolkenstein forderte mehr Unterstützung beim Ausbau der Infrastruktur oder der komplizierten Beantragung von Fördergeldern. Andrea Keßler vom Sächsischen Sozialministerium wies dagegen auf die steigende Zahl der Stipendiaten hin, die sich zur hausärztlichen Tätigkeit in ländlichen Regionen Sachsens verpflichten. Auch der Präsident der Sächsischen Landesärztekammer machte auf die in den letzten Jahren steigende Zahl an Facharztprüfungen in der Allgemeinmedizin aufmerksam. Für ihn gehöre eher der Numerus Clausus für das Medizinstudium zu einer der Ursachen der Nachwuchsprobleme. Zensuren seien weitaus weniger aussagekräftig als etwa die sozialen Kompetenzen der Bewerber.

Volker Höynck, Hausarzt in Niesky und Vorstandsvorsitzender der Ärzte-Netz Ostsachsen GbR, leitete mit seinem Vortrag zum Ärztenetz und dem entstehenden Weiterbildungsverbund für Ostsachsen den zweiten Vortragsblock ein. Mit einer gemeinsamen Absichtserklärung vom 22. September 2017 wollen der Landkreises Görlitz, die Kreisärztekammer und die Ärzte-Netz Ostsachsen GbR „eine koordinierte qualifizierte fachärztliche Weiterbildung junger Mediziner unter Einbeziehung der Krankenhäuser und niedergelassener Ärzte aus der Region Ostsachsen erreichen."

In Chemnitz hat die städtische Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft (CWE) den ärztlichen Nachwuchs im Blick. Laura Thieme stellte die aktuelle CWE-Nachwuchs-Kampagne für den Chemnitzer Raum vor und machte deutlich, dass sich Chemnitz besonders um die Vernetzung und frühe Einbindung der Medizinstudenten bemüht, um so gegenüber den beiden medizinischen Fakultätsstandorten Dresden und Leipzig bestehen zu können. Wie schnell all die guten Ansätze allerdings bedroht sein können, wurde anhand der aktuellen Ereignisse rund um die Demonstrationen in Chemnitz leider nur zu deutlich. "Fachkräftegewinnung ist immer auch Stadtmarketing", mit seinen Stärken und Gefahren.

Den letzten Vortrag übernahm Heiko Vogt vom Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft, der besonders gelungene Förderprojekte für Ärzte im ländlichen Raum vorstellte. Unter dem Titel „Vom Denkmal zur Arztpraxis" zeigt Herr Vogt, wie mit Fördermitteln aus dem LEADER-Programm ehemalige Fabrikantenvillen oder Rathäuser zu Praxen und Wohnungen für junge Ärzte in der mittelsächsischen Region umgebaut wurden.

Erik Bodendieck dankte zum Abschluss allen Referenten für die anschaulichen Vorträge zur möglichen Entwicklung der medizinischen Versorgung in Sachsen. Auch den über 80 Teilnehmern, die zum Teil eine weite Anreise nach Weißwasser hatten, dankte der Präsident und lud schon jetzt zur Jubiläumsveranstaltung „10 Jahre Ärzte für Sachsen" im nächsten Jahr ein.