9. Netzwerktreffen „Ärzte für Sachsen“

Das 9. Netzwerktreffen "Ärzte für Sachsen" fand am 13. September 2017 im nordsächsischen Oschatz statt. Netzwerkpartner, Ärzte, Bürgermeister, Vertreter von Krankenhäusern, Kassen und der ärztlichen Selbstverwaltung waren interessiert an den Entwicklungen der ärztlichen Versorgung in Sachsen und den beiden Hauptthemen "Telemedizin" sowie "Facharztweiterbildung im Verbund".

Der Vizepräsident der Sächsischen Landesärztekammer, Prof. Dr. med. habil. Uwe Köhler, übernahm den Einstieg ins Tagesprogramm. Er sprach über die Entwicklung der Arztzahlen in Sachsen, stellte Ziele sowie aktuelle Projekte des Netzwerks "Ärzte für Sachsen" vor und lud die Netzwerkpartner ein, eigene Förderprogramme über die Webseite www.aerzte-fuer-sachsen.de bekannt zu machen.

Martin Strunden, Referatsleiter im Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz ging in seinem Vortrag auf die Vorhaben der Staatsregierung zur Digitalisierung im Gesundheitswesen ein. Das Sozialministerium sieht in dem Thema eine wichtige Komponente der künftigen medizinischen Versorgung und fördert aktuell sächsische Telemedizin-Projekte wie E-Health Start Ups im Leipziger Gründerzentrum oder den Aufbau eines Antibiotikanetzwerkes in Nordwestsachsen. Ein wichtiges Ziel ist dabei auch, die Akzeptanz von Seiten der Ärzte und Patienten zu erhöhen.

Die folgenden vier Vorträge nahmen das Themen "Digital Health" aus praktischer Sicht auf. Lysann Kasprick, Geschäftsführerin des GeriNet Leipzig, stellte das Netzwerkprojekt "ATMoSPHÄRE" vor, bei dem es um ein IT-gestütztes Versorgungsmanagement für chronisch erkrankte, multimorbide ältere Patienten geht. Das Projekt ist nicht nur abgestimmt auf die medizinischen Aspekte, sondern koordiniert auch bedarfsorientierte Interventionen in den Bereichen Bewegung, Kognition und Ernährung. Auf der IT-Plattform werden für Patienten z.B. Coachingprogramme für die Fortführung von Rehabilitationsmaßnahmen veröffentlicht. Der Arzt wiederum hat die Möglichkeit, die Vitalparameter während der Übungen über eine Verlaufsdokumentation auswerten zu können.

Mit "ElVi: Elektronische Visite für Ärzte" wurde ein zweite Projekt durch Dr. med. Jürgen Flohr, Vorstandsvorsitzender des Leipziger Gesundheitsnetz e. V., präsentiert. Er schilderte seine Erfahrungen mit der Telemedizinsoftware, die zur Durchführung von Videosprechstunden über PC, Tablet, Laptop oder Smartphone bestimmt ist. Durch die Software kann ein regelmäßiger Arzt-Patienten-Austausch gewährleistet werden, ohne lange Anfahrts- und Wartezeiten. Besonderen Nutzen hat dies im Rahmen einer Rufbereitschaft außerhalb der Sprechzeiten. "Zwei Anfahrten in der Rufbereitschaft am Wochenende konnte ich mir sparen", berichtete einer der teilnehmenden Ärzte. Ziel ist die kontinuierliche ärztliche Versorgung vor allem in Pflegeeinrichtungen. Patienten sowie Pfleger nähmen die neue Art der Kommunikation erfreulich gut an. Doch wird der persönliche Kontakt auch weiterhin explizit gewünscht. Dr. Flohr zitierte dazu eine Pflegeheimpatientin: "Hauptsache Sie kommen auch weiter persönlich zu mir ins Heim!" Für die Live-Demonstration der Elektronischen Visite interessierten sich viele der Anwesenden in der Veranstaltungspause.

Das dritte konkrete Projekt, nämlich den Aufbau eines „Antibiotikanetzwerkes in Nordwestsachsen", wurde vorgestellt durch Dr. med. Thomas Grünewald vom Klinikum St. Georg in Leipzig. „Jährlich werden 10.500 Tonnen Antibiotika in der EU verteilt.", so Grünewald. Die Folgen sind resistente Bakterien und Multiresistenzen. Um die Vergabe von Antibiotika zu strukturieren und eine unnötige Verschreibung zu verhindern, wird ein überregionales Netzwerk aufgebaut. Durch moderne Kommunikationsstrukturen werden Beratungen und Schulungen für eingebundene niedergelassene Ärzte und Klinikärzte angeboten sowie eine kontinuierliche Erfassung und Analyse von Verordnungsdaten und mikrobiologischen Daten vorgenommen.

Im Anschluss referierte Dr. med. Jessica Barlinn über das Netzwerk „Schlaganfallversorgung in Ostsachsen" (SOS-Net). Die Leiterin der Projekte SOS-Net und SOS-Care (Schlaganfall-Nachsorge) am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden erklärte, man errichte mit dem Netzwerk eine patientenorientierte und sektorenübergreifende Versorgungsstruktur, in deren Zentrum die schnelle und fachliche Beratung der teilnehmenden Einrichtungen durch Videokonferenzen mit dem Dresdner Universtäts SchlaganfallCentrum (DUSC) steht. In einem nächsten Schritt gehe es jetzt um die Integration der ambulanten Nachsorge in das Schlaganfallnetzwerk Ostsachsen (INAN-SOS).

Nach dem großen Block zu "Digital Health" lag der zweite Schwerpunkt der Veranstaltung auf dem Thema "Facharztweiterbildung im Verbund". Andrea Keßler vom sächsischen Sozialministerium stellte die Wichtigkeit des Themas für den Freistaat dar. So stehen für die ärztliche Nachwuchsgewinnung beim Ministerium zwei neue Fördertöpfe bereit. Zum einen werden Zuschüsse für Weiterbildungsverbünde, vorranging in der Allgemeinmedizin, gewährt. Zum anderen wird die Weiterbildung in grundversorgenden Facharztbereichen unterstützt. Denkbar sei etwa die Förderung von zehn zusätzlichen Weiterbildungsstellen an Krankenhäusern in den grundversorgenden Fachrichtungen. Zur Förderung und Begleitung von Weiterbildungsverbünden wird außerdem eine neue Geschäftsstelle in der Sächsischen Landesärztekammer errichtet. Deren Hauptaufgabe wird es sein, neue und bestehende (vor allem regionale) Weiterbildungsverbünde bei der Gründung und Erweiterung sowie dem Aufbau einer effizienten Organisation zu unterstützen.

Im letzten Vortrag des Abends wurde als Praxisbeispiel der Weiterbildungsverbund "Oberlausitzer Bergland" durch Petra Puschmann, Personalleiterin am Klinikum Oberlausitzer Bergland, präsentiert. Der Weiterbildungsverbund erleichtert die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin in der ostsächsischen Region um Zittau durch eine vertragliche Absicherung über die gesamte Weiterbildungszeit von 60 Monaten und die koordinierte Planung und Organisation der Einsätze. Am Ende erhielt Frau Puschmann viele Fragen von Teilnehmern zu ihren Erfahrungen, was die vertraglichen Bestimmungen unter den Verbundpartnern betrifft.

Gerade was das Thema „Digitalisierung" angeht, zeigte die abschließende Diskussion, dass den angestrebten Vorteilen in der Versorgung momentan noch viele Sorgen - vor allem um Datensicherheit und erhöhten bürokratischen Aufwand für Ärzte - entgegenstehen. Klar wurde aber auch, dass nur durch die aktive Mitgestaltung der Ärzte die Entwicklung in Richtung sinnvoller Anwendungen gehen kann.