8. Netzwerktreffen „Ärzte für Sachsen“

Wie viele Ärzte braucht das Land? Mit dieser Frage beschäftigte sich das 8. Netzwerktreffen "Ärzte für Sachsen" in diesem Jahr in Limbach-Oberfrohna. Etwa 100 Teilnehmer - Netzwerkpartner, Ärzte, Bürgermeister, Landräte, Vertreter von Krankenhäusern, Kassen und der ärztlichen Selbstverwaltung - informierten sich am 28. September zu aktuellen Zahlen und Entwicklungen in der ärztlichen Versorgung Sachsens.

Nach einem Grußwort durch den Oberbürgermeister von Limbach-Oberfrohna stellte der Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, Erik Bodendieck, die Schwerpunkte der Netzwerkarbeit von "Ärzte für Sachsen" vor. Zwar habe man in Sachsen mittlerweile "die zweitjüngste Hausarztgeneration bundesweit", doch bleibt die Allgemeinmedizin weiterhin das Fachgebiet mit den größten Problemen bei der Nachbesetzung. Daneben ging es in diesem Jahr aber auch um Konzepte für die Nachwuchsgewinnung im Bereich Kinder- und Jugendmedizin sowie  Psychiatrie und Psychotherapie. Präsentiert wurde in diesem Zusammenhang ein neu produzierter Informationsfilm "Berufsfeld Psychiatrie", der zugleich den Auftakt einer Nachwuchskampagne für jene Fachrichtung bildet.  

Die sächsische Gesundheitsministerin Barbara Klepsch stellte im Anschluss eine aktuelle Studie vor, welche die Entwicklung des ambulanten Versorgungs- und Ärztebedarfs bis in das Jahr 2030 projiziert und darstellt. In Ballungsräumen wächst demnach der Bedarf, während für die ländlichen Regionen durch den Bevölkerungsrückgang neue Versorgungskonzepte entwickelt werden müssen. Als ein solches Konzept kann das ebenfalls beim Netzwerktreffen thematisierte "Lokale Gesundheitszentrum" gelten. Das Pilotprojekt in Niesky will durch seine sektorenübergreifende Ausrichtung die medizinische Versorgung vor Ort sichern. Weitere Maßnahmen will die Gesundheitsministerin gemeinsam mit dem Netzwerk "Ärzte für Sachsen" entwickeln: "Dazu gehört auch die Initiierung von Weiterbildungsverbünden in ländlichen Regionen."

Dr. Gunnar Dittrich von der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen berichtete über neue und angepasste Fördermaßnahmen für künftige Hausärzte und andere Fachgebiete. So unterstützt die KV Sachsen mittlerweile hausärztliche Famulaturen in bestimmten Regionen mit 300 Euro und das PJ Wahltertiär mit monatlich bis zu 500 Euro. "Die Nachfrage übersteigt bereits das Angebot", ergänzte Herr Dr. Dittrich. Außerdem wurde die Förderung für die allgemeinmedizinische Weiterbildung von 3.500 auf 4.800 Euro im Monat angehoben und gilt nun auch für weitere Fachgebiete wie Kinderärzte, Hautärzte oder Augenärzte.

Eine Förderung der anderen Art präsentierte Dr. med. Anne Hensel. "Hausärzte für Chemnitz"  ist ein Weiterbildungsverbund, in dem drei Kliniken und acht Hausärzte die Weiterbildung für junge Nachwuchskollegen "maßgeschneidert planen und strukturieren".

Im letzten Vortragsblock stand das Potential ausländischer Ärzte für die medizinische Versorgung in Sachsen im Zentrum. Dazu beschrieb Carmen Baumgart, Geschäftsführerin der Chemnitzer Bezirksgeschäftsstelle der KV Sachsen, den langen Weg bis zur Praxisübernahme für die neuen internationalen Ärzte. "Etwa drei Jahre dauert es, bis ein ausländischer Arzt alle Formalitäten für eine eigene Praxis erfüllt." Der syrische Arzt Louay Sheikh Alard berichtete über seine Erfahrungen mit dem deutschen Gesundheitssystem. Er arbeitet mittlerweile in der Flüchtlingsambulanz in Chemnitz in einem interkulturellen Team. Für ihn waren "die ersten Monate am Schwierigsten, denn die Familie war erst nach zwei Jahren wieder vollständig vereint."

In der Abschlussdiskussion fragten vor allem Bürgermeister nach kommunalen Möglichkeiten, für ihre Regionen Ärzte zu gewinnen. Diese liegen z.B. in der erst kürzlich geschaffenen Option für Gemeinden, ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) betreiben und so Ärzte anstellen zu können, sowie in eigenen Fördermaßnahmen für niederlassungswillige Ärzte. Solche Angebote, wie etwa günstiges Bauland oder fertige Praxisräume, können noch ergänzt werden durch individuelle Unterstützungsmöglichkeiten für Familien.

Für die breite Streuung dieser Informationen bietet "Ärzte für Sachsen" die Möglichkeit, die Angebote über die Netzwerkseite www.aerzte-fuer-sachsen.de zu publizieren, um so mehr Interessenten zu erreichen.

2017 soll die Veranstaltung voraussichtlich im nordsächsischen Raum stattfinden.